Yogalehrer Ausbildung in Spanien

4 Wochen voller Höhen und Tiefen. Bis zu meiner Ausbildung zur Yogalehrerin hatte ich keine Ahnung, dass etwas unglaublich anstrengend und zugleich entspannend sein kann.Mit großer Vorfreude, etwas Respekt und ein bisschen Nervosität vor den kommenden Wochen reiste ich nach Spanien. Dort, genauer gesagt in Andalusien unweit des Städtchens Vejer de la Frontera, würde ich knapp einen Monat verbringen. Mit einer Gruppe fremder Leute, die ich noch nie zuvor gesehen hatte.
Da ich solche kleinen Abenteuer liebe, freute ich mich schon ungemein. So packte ich meinen Koffer voll mit all den Yoga-Klamotten, die mein Schrank hergab und flog von Wien nach Málaga. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Yogalehrer-Ausbildung:

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Sirsasana (Kopfstand)

Wie finde ich das richtige Teacher Training?

Grundsätzlich gibt es in der Ausbildung zwei Stufen: Zuerst absolviert man ein 200h Training. Will man sein Wissen und Können noch vertiefen, hängt man eine 300h Ausbildung dran. Wenn diese in den gleichen Stilen ausgeführt werden, dann können diese zu 500h addiert werden.

Da ich bereits seit einigen Jahren Vinyasa Flow praktiziere (manchmal mehr und manchmal weniger regelmäßig) suchte ich gezielt nach Teacher Trainings mit diesem Stil. Da ich neben Yoga auch das Reisen liebe, wollte ich die Ausbildung im Ausland machen. Außerdem war mir wichtig, Yoga später auf Englisch und Deutsch unterrichten zu können.
Die meisten Studios fokussieren sich auf zwei oder drei Yoga-Stile. Während meiner Ausbildung lernte ich so auch die Basics im Ashtanga. Regelmäßig bekamen wir durch Workshops Einblicke in andere Arten wie Yin Yoga oder Acro-Yoga.

Wichtig bei der Auswahl für mich war, dass ich nach Abschluss des Camps ein von der Yoga Alliance zertifiziertes Zeugnis bekomme. Dadurch ist sichergestellt, dass die Ausbildung international anerkannt wird. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Gruppen nicht zu groß sind. Sonst leidet die eigene Ausbildung darunter. In meinem Yoga Camp in Andalusien waren wir 13 Schüler, meiner Meinung nach eine angenehme Anzahl.

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Viel Platz zum Praktizieren im Garten der Yoga Bubble

Dann bleibt noch die Frage nach dem Ort: Wie kam ich auf Spanien? Zuerst hatte ich Bali ins Auge gefasst. Eines war klar: Es sollte warm sein! Jedoch wüteten bereits im Sommer in Indonesien Vulkane und Erdbeben, was mich von diesem Ziel wieder absehen ließ.

Hat man nicht gerade im Lotto gewonnen oder von der reichen Tante geerbt, sollte man die An- und Abreisekosten im Auge behalten. Innerhalb Europas halten sich diese in Grenzen. Außerdem ist man in der EU durch die E-Card krankenversichert. Bei einer aktiven, sportlichen Yogalehrer-Ausbildung nicht unwichtig.

Während meines Studiums verbrachte ich ein Auslandssemester in Barcelona und seitdem bin ich ein großer Fan von Spanien. So durchforstete ich die Plattform BookYogaRetreats nach passenden Trainings. Durch die Filter auf dieser Seite kann man die eigene Suche sehr gut konkretisieren.
Nachdem ich zwei Camps favorisiert hatte, verglich ich deren Rezensionen, Preise und Angebote. Über das Kontaktformular ist es sehr einfach, mit den Yogis auf der ganzen Welt in Verbindung zu treten. Keine Scheu davor, diese einfach anzuschreiben und mit Fragen zu bombardieren!
Auf jeden Fall auch unterschiedliche Yogalehrer/innen direkt fragen oder per Mail anschreiben. Keiner wird einem böse sein, fast alle geben gerne Auskunft über eigene Erfahrungen. Mit anderen Yogis zu kommunizieren, ist die beste Quelle für Informationen! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Yoga-Praktizierende meist sehr offen sind und gerne weiterhelfen.

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Ein Teil unserer tollen Gruppe

Was waren die Herausforderungen?

Wie einleitend schon erwähnt war es anstrengend und entspannend zugleich. Wir hatten ein wirklich straffes Programm: Vier Wochen lang, immer Montag bis Samstag Mittag, von morgens bis abends. Jeder Tag startete um 7:30 Uhr mit zwei Stunden Ashtanga oder Vinyasa. Danach folgten Workshops und Hausübungen. Dabei sind die individuellen Eindrücke natürlich sehr unterschiedlich.

Ein typischer Tag sah wie folgt aus:

7:30 – 9:30 Ashtanga Yoga
9:30 – 10:15 Pranayama Meditation
10:15 – 11:30 Frühstück
11:30 – 12:30 Anatomie Unterricht
12:30 – 13:30 Philosophie Unterricht
13:30 – 15:30 Mittagessen und Pause
15:30 – 17:00 Unterrichtsmethodik
17:00 – 18:00 Workshops (Arm Balance, Acro Yoga, etc.)
18:00 – 19:30 Duschen und Hausübung vorbereiten
19:30 Abendessen
21:00 tot ins Bett fallen

Die Abläufe und Aufgaben änderten sich im Laufe des Trainings. Anfangs wurden wir von unseren Yogalehrern geleitet und lernten viel Theorie. Ab der zweiten Woche starteten wir bereits mit der Vorbereitung unserer eigenen Stunde. Diese war Teil der abschließenden „Prüfung“ am Ende der Ausbildung. Von Woche zu Woche wurden wir immer selbstständiger. Die Gruppendynamik war unglaublich! Wir halfen uns gegenseitig, wo wir konnten und lernten gemeinsam.
Für mich persönlich war der Anatomie-Unterricht einerseits sehr interessant und andererseits sehr herausfordernd. Da ich kein Vorwissen in diesem Bereich hatte, musste ich die vielen Fachbegriffe intensiv lernen. Auch die Sanskrit-Bezeichnungen für die Posen im Ashtanga waren nicht einfach zu merken. Aber gemeinsam als starke Gruppe haben wir es alle geschafft, die abschließenden schriftlichen Tests zu bestehen.

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Raubtierfütterung 3x täglich

Während der vier Wochen hatte ich natürlich auch mit Demotivation zu kämpfen. An manchen Tagen wäre ich lieber noch eine Stunde länger im Bett geblieben als Yoga zu machen. Doch durch die positive Dynamik der Gruppe und Lehrer erhält man wieder neue Kraft. Wir lernten wirklich unglaublich viel in dieser Zeit. Auch wenn mir in der ersten Woche das Programm überwältigend vorgekommen ist, jeder kann es schaffen. Der eigene Körper ist viel stärker, als man denkt.
Obwohl gekennzeichnet von der anstrengenden Woche, nutzte ich die Sonntage für Ausflüge in die andalusische Umgebung z.B. in das schöne Cádiz. Tipp: Egal wo in der Welt du dein Teacher Training machst - nimm dir danach noch einige Tage Zeit um die Gegend zu erkunden.
Eine Ausbildung zur Yogalehrerin ist kein Zuckerschlecken, aber gleichzeitig eine tolle Erfahrung. Ich möchte sagen, lebensverändernd.

Solltest du Zweifel haben, ob du schon bereit bist für ein Teacher Training, dann kann ich nur sagen: Ich war zuvor sicher kein Profi! Vor der Ausbildung war Yoga für mich keinesfalls mein einziger Fokus. Ich liebe Volleyball, Snowboarden, Surfen und andere Sportarten. Dabei war Yoga eine weitere Art der Bewegung, die ich mochte/mag.

Der große Vorteil von Yoga ist, dass man es jederzeit alleine zu Hause praktizieren kann. Und es gibt einem Ausgeglichenheit und Balance, auch in geistiger Hinsicht. Nach meiner Ausbildung konzentriere ich mich jetzt mehr auf Yoga. Durch das Teacher Training wurde meine Motivation gesteigert, besser zu werden. Die Levels der einzelnen Yogis in unserer Gruppe waren auch unterschiedlich. Doch das war ok, denn man wird durch die anderen angespornt, sein Bestes zu geben. Und wie man schon in der ersten Yoga-Stunde lernt: Konzentriere dich auf dich selbst und schaue nicht auf die anderen.

Du interessierst dich für das schöne Andalusien? Einen Beitrag zum Süden Spaniens findest du hier.

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Das Wohnzimmerfenster war eine beliebte Fotolocation

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Hinterließ so manche Spur auf unseren Händen: Kater Muesli

The Yoga Bubble:

Nach einigen Tagen Recherche entschloss ich mich, das 4-wöchige Teacher Training in The Yoga Bubble zu machen. Eine gelbe Finca in den andalusischen Bergen erwartete mich. Das Team dort hätte herzlicher nicht sein können! Erst 2017 öffnete die Blase ihre Tore und bietet seitdem Teacher Trainings aber auch kürzere Camps an. Auch mit den anderen 12 Yogaschülerinnen (reine Frauenpower) aus der ganzen Welt hätte ich es nicht besser treffen können.

Der Vorteil abseits all des Trubels im spanischen Hinterland zu sein war definitiv die Ruhe. Wir genossen den großen Garten ohne direkte Nachbarn. Auch der Ausblick auf das einige Kilometer entfernte Meer war traumhaft. Gleichzeitig brachte diese Abgeschiedenheit auch Nachteile mit sich: Schon die Anreise gestaltete sich schwierig. Die nächsten Flughäfen sind Jerez de la Frontera oder Sevilla. Rund um die Bubble gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel. So mussten die meisten eine ziemlich langwierige Anreise mit Bus/Zug/Taxi auf sich nehmen.
Ich hatte das Glück, einen Mietwagen zu haben. Auch Ausflüge am Wochenende kommen teuer. Denn jedes Mal musste ein Taxi für die Hin- und Rückfahrt in den nächsten Ort bzw. zum Supermarkt bezahlt werden. In der Yoga Bubble lebt man wirklich wie in einer Blase.

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Ruhe und Abgeschiedenheit rund um die "Bubble"

Auch das Wetter in Andalusien kann im Herbst zu einer Herausforderung werden. Durch Stürme, die vom Atlantik kommen, kann die Temperatur in der Nacht auf 15 Grad fallen. Weiters muss man man im Oktober/November mit regelmäßigen Regenfällen rechnen. Da die spanische Bauweise nicht der österreichischen entspricht, pfeift's durch alle Ritzen. Einmal hatten wir einen schönen Wasserfall unterhalb des Fensters an der Wand. Am besten also warme Socken und Pullover einpacken. Die meisten unserer Gruppe, mich eingeschlossen, hatten zu wenig warme Klamotten mit.

Fantastisch war die Atmosphäre so wie das Essen. Gesunde, vegetarische Küche drei Mal pro Tag. Manchmal gab's auch leckeren Kuchen! Die positive Energie im Haus reißt einen aus so manchem Motivationsloch. Unsere drei Yogalehrer waren sehr geduldig und haben ihr Bestes gegeben, um uns alles Wichtige zu lehren. Ein herzliches Dankeschön an das passionierte Team der Yoga Bubble!

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Abschlusszeremonie im Garten

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Geschafft! 4 Wochen Ausbildung liegen hinter uns

Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Zurück in Österreich waren die Vorsätze groß: Jeden Tag Yoga zu machen und so schnell wie möglich eigene Stunden auf die Beine zu stellen. Aus jedem Tag wurden dann ca. 4 Mal pro Woche.

Ich deckte mich auch gleich mit einem Haufen Yoga-Literatur ein. Von Pattabhi Jois' Yoga Mala bis Yoga Sequencing und Anatomie. Es gibt unglaublich viel zu lesen und lernen! Seit ich von der Ausbildung zurück bin läuft mein Youtube-Account heiß. Täglich schaue ich Videos um selbst zu praktizieren und Inspiration für eigene Stunden zu finden. Dies ist für mich persönlich ein sehr effektiver Weg, Neues zu lernen.

Großes Glück hatte ich bei der Planung einen eigenen Kurs auf die Beine zu stellen: In und um meine Heimatstadt gibt es viele Sportvereine, die an Yoga interessiert sind. Und die Miete für Räumlichkeiten oder Turnhallen ist gering. Da ich viele Jahre in Wien gelebt habe, weiß ich, dass dies in großen Städten ganz anders ist. Außerdem ist Yoga am Land bzw. in kleinen Städten noch nicht so verbreitet und man kann den Vorteil der Nische nutzen.
Um unabhängig unterrichten zu können, habe ich mich selbstständig gemacht (Waves Yoga) Dies bedeutet mehr Freiheit aber gleichzeitig viel Arbeit und ein gewisses Risiko. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit als Angestellte für Studios zu arbeiten. Doch dann ist man weniger flexibel. Zeitlich ist man an die Vorgaben des Studios gebunden und bekommt einen fixen Stundenlohn, egal wie viele Yogis zum Kurs kommen. Dafür spricht andererseits mehr Sicherheit und man muss sich nicht um Räumlichkeiten kümmern.

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Ausflug ins nahegelegene Vejer de la Frontera

Fazit:

Folgend fasse ich meine persönlichen Erfahrungen während des Yoga Teacher Trainings hier nochmal zusammen:

Benefits: neues Wissen, starker und gesunder Körper, mehr Selbstbewusstsein, neue Freunde, eine lebensverändernde Erfahrung, neue Energie, ein Yogalehrer-Zertifikat

Herausforderungen: anstrengend für Körper und Geist, eine sehr intensive Erfahrung weit weg von Familie und Freunden, fast 24 Stunden pro Tag Teil einer großen Gruppe zu sein, auf den eigenen Körper zu hören und zu wissen, wann man zurückschrauben muss

Die Ausbildung zur Yogalehrerin ist eine spannende und herausfordernde Erfahrung. Dabei ist es meiner Meinung nach keine Voraussetzung, dass man schon jahrelang Yoga praktiziert. Natürlich sollte man fit sein und die Wochen vor dem Teacher Training intensiver üben. Auch wenn diese Ausbildung Höhen und Tiefen mit sich bringt, die positiven Aspekte überwiegen allemal. Also los, raus in die Welt und rauf auf die Matte 🙂

Namaste!

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Thanks to these lovely and powerful people!

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