Ronda - berühmte Brücken, tiefe Abgründe und eine alte Arena

Mit zittrigen Knien stehe ich am Abgrund und schaue in die Tiefe. Nur ein paar alte Steine hindern mich daran, in die 100m tiefe Schlucht zu stürzen.Die Puente Nuevo in Ronda ist die wohl bekannteste Brücke Andalusiens, wenn nicht sogar Spaniens. Den großen touristischen Ansturm hat die Stadt ihrer besonderen Lage zu verdanken: Wie ein Schwalbennest klebt die Altstadt am Abgrund eines massiven Felsplateaus. Schon viele Bilder habe ich von dieser Szenerie gesehen, doch selber dort zu stehen und in die Schlucht zum Bach Guadalevín hinunterzuschauen, ist noch einmal etwas ganz anderes. Und in der Ferne erheben sich die mächtigen Gipfel der Sierra de Grazalema. Jetzt im März ist die perfekte Jahreszeit, um das schöne Städtchen zu besuchen! Hier mein persönlicher Reisebericht und hilfreiche Tipps für Ronda:

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Blick vom Mirador de Ronda nahe der Stierkampfarena

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Auf kurvigen Straßen durch die andalusische Landschaft

Anfahrt:

Wir starteten unsere Tour mit dem Mietauto von Málaga aus: Wenn man den Wahnsinn der Großstadt einmal hinter sich gelassen hat, führt die Straße durch weitläufige Obstplantagen. Saftige Orangen und Zitronen leuchten durch das Grün der Blätter. Die Fahrt dauert ca. 1,5 Stunden und führt über gut ausgebaute, aber kurvige Straßen. Ronda liegt auf 700m Seehöhe und diese müssen erst einmal überwunden werden. Die Landschaft rundherum wird immer schöner: abgelegene Dörfer und steinige Felshänge wechseln sich mit Grünflächen ab (zumindest jetzt im Frühling, im Sommer ist es hier sehr trocken).

Kommt man in Ronda an, fragt man sich wo denn diese Schlucht sein soll... Die Ankunft aus Richtung Málaga ist eher unspektakulär. Eine gute Parkmöglichkeit ist das Parkhaus Martinez Astein. Von dort schlenderten wir durch den ebenfalls sehenswerten, neuen Teil der Stadt. So folgt man am besten der belebten Fußgängerzone bis zur Stierkampfarena. Von dort ist es nicht weit zu den anderen bekannten Sehenswürdigkeiten Rondas.

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Ein wilder Toro vor der Arena

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In den Gassen finden sich viele schöne Fotomotive

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Dieses Foto entstand mit zittrigen Knien

El Mercadillo - die Neustadt:

Der Name des neueren Stadtteils kommt nicht von ungefähr: El Mercadillo, übersetzt „Der kleine Markt“, entstand vor den Toren der ursprünglichen Siedlung, weil sich die Händler aus dem Umland die Warenzölle sparen wollten. Wer die Stadt nicht betritt, muss sie auch nicht zahlen.

Auch dieser Teil Rondas hat seinen Reiz: Typisch spanische Architektur, kleine Balkone vor den Fenstern und Blumentöpfe vor der Tür. Jeder, der seine Sonnenbrille zu Hause vergessen hat oder noch schnell eine kurze Hose braucht, wird in der Fußgängerzone fündig. In der Carrera Espinel reihen sich Filialen aller bekannten Modeketten aneinander. Auch leckeres Eis und preiswerten Kaffee gibt’s hier. Spanisches Gewusel inklusive, jedoch nicht am Nachmittag: Dann haben die meisten Shops geschlossen. Die Siesta ist in Andalusien noch heilig!
Ein fotogener Platz mit schönen Prachtbauten ist die Plaza del Socorro. Hier gönnten wir uns eine leckere und preiswerte Pizza in einem der vielen Restaurants.

Nur wenige Gehminuten entfernt steht Spaniens älteste Stierkampfarena. Erbaut 1785 und mit 66m Durchmesser gilt sie als Wiege des Stierkampfes. Der kreisrunde Bau mit angeschlossenem Museum kann für 7 Euro besichtigt werden. In ihren Ausmaßen nicht so beeindruckend, wie wir heutige Stadien kennen, doch die von eleganten Säulen gestützten Tribünen machen schon was her. Auf dem Platz vor Rondas Arena befindet sich die Touristeninfo. Für alle, die nicht wissen, wohin.

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Unterwegs in Ronda

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Senkrecht geht's nach unten!

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Diesen Balkon sollte man lieber nicht mehr betreten...

Puente Nuevo:

DER Touristenmagnet schlechthin in Ronda, denn dieses bekannte Bauwerk lässt sich keiner entgehen. Die 98m hohe Brücke verbindet die Altstadt La Ciudad mit dem neueren Teil El Mercadillo. Und ich muss sagen: der Blick in die dunkle Schlucht ist atemberaubend. Nicht nur, wenn man wie ich an Höhenangst leidet. Mit einem flauen Gefühl klammere ich mich an der Brüstung fest und kann nicht aufhören zu fotografieren. Einfach unvorstellbar, dass diese Brücke ohne technische Geräte, wie wir sie heute kennen, innerhalb von 40 Jahren gebaut wurde. 1793 war die Puente Nuevo dann endlich fertig. Unter der Fahrbahn befindet sich übrigens ein Raum, der früher als Gefängnis genutzt wurde. Ich wäre sicher nicht ausgebrochen...

Der Ausblick auf bzw. von der Brücke ist fantastisch! Die weißen Gebäude, die sich an den Abgrund drängen und die senkrecht abfallenden Felswände darunter. In der Nebensaison ist vergleichsweise wenig los und das Bummeln und Fotografieren macht richtig Spaß! Im Sommer karren anscheinend unzählige Busse Menschenmassen hierher und verstopfen die Gassen Rondas. Zur Hochsaison also lieber sehr früh oder sehr spät kommen.

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Rondas Wahrzeichen: die 98m hohe Puente Nuevo

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Beeindruckende Architektur in der Altstadt

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Leider zu klein!

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Typisch Andalusien: Bunte Fliesen statt einfacher Schilder

La Ciudad - die Altstadt:

Das Ziel jedes Besuchers ist die Altstadt Rondas: Wie eine Insel, umgeben von Abgründen, erhebt sich dieses Viertel. Hat man die Puente Nuevo hinter sich gelassen, hält man sich am besten rechts und umrundet die Altstadt. So verpasst man nichts. Prächtige Architektur, schattige Gassen und große Orangenbäume prägen das Bild. Von dem Platz María Auxiliadora startet der Weg hinab in den Tajo-Canyon. Leider war dieser bei unserem Besuch gesperrt. Der Blick auf die Brücke soll aber einmalig sein.

Wenige Meter entfernt liegt der Hauptplatz der Altstadt, die Plaza Duquesa de Parcent: Mehr dazu weiter unten in diesem Beitrag.
Das Barrio San Francisco ist ein malerisches Viertel ganz im Süden von La Ciudad. Einige nette Bars versammeln sich am Platz vor der Kirche Espiritu Santo. Von hier führt ein Weg die Stadtmauer entlang, die in den letzten Jahren aufwendig restauriert wurde. Dem Pfad folgend, gelangt man zu den Baños Arabes: Die Überreste maurischer Bäder stammen aus dem 13. Jahrhundert und wurden lange Zeit von den Christen als Gerberei genutzt. Heute sind sie ein Freilichtmuseum, in das man einen kurzen Blick werfen kann. Zu viel darf man jedoch nicht erwarten.

Ein Stück weiter führt die Puente Àrabe über den Bach Guadalevín und gibt die Sicht auf die Puente Viejo und die Puente Nuevo frei. Über die Stufen (gegenüber der arabischen Bäder) steigt man zum Tor Puerta de la Cijara hinauf. Dahinter erhebt sich der Palacio Salvatierra mit seiner schönen Renaissance-Fassade. La Ciudad ist in seinen Ausmaßen überschaubar und in ca. 3 Stunden zu besichtigen. Außer man liebt, so wie ich, die Atmosphäre spanischer Altstädte: Dann kann es schon mal länger dauern 🙂

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Auf dem Weg entlang der Stadtmauer zu den Baños Árabes

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Traumhafter März in Andalusien

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Glockenturm der Kirche Santa María la Mayor

Aussichtspunkte:

Der auf verschiedenen Terrassen angelegte Park Jardines de Cuenca ist der perfekte Punkt, um alle drei Brücken der Stadt zu bewundern: Die beeindruckende Puente Nuevo, die ältere Puente Viejo und die Puente Árabe aus dem 17. Jahrhundert.

Zur Mittagszeit wirft die Sonne ihr Licht auf die westliche Seite der Puente Nuevo. Dann hat man vom Mirador de Ronda, nahe der Stierkampfarena, die beste Aussicht. Traumhaft ist auch der weitläufige Blick über die Felder und Wiesen bis zu den Bergen der Sierra de Grazalema. Im Winter können die Gipfel sogar mit Schnee bedeckt sein. In dem kleinen Pavillon am Abgrund spielen Musiker ein Ständchen für Besucher.

Der laut Aussage von meinen Eltern beeindruckende Abstieg in den Tajo-Canyon blieb uns leider verwehrt: Als wir im März in Ronda waren, wurde der Wanderweg restauriert und war somit gesperrt. Dieser führt von der Plaza de María de Auxiliadora hinunter zum Bachlauf. Deshalb musste unser Mietwagen dran glauben, denn ich wollte die Puente Nuevo inklusive Wasserfall UNBEDINGT von unten sehen! Über einen sehr holprigen, sehr engen Weg kurvten wir zum sogenannten Bridge View Point an der Ctra. de los Molinos. Nur was für Autofahrer mit guten Nerven! Der Anblick ist die Mühe aber wert.

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Casa de Moro

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Diese Brücke ist eine architektonische Meisterleistung

Auch wenn es in jedem Reiseführer steht und der Andrang groß ist: Ronda darf man sich nicht entgehen lassen! Die spektakuläre Lage am Abgrund, die beeindruckende Brücke und die schöne Landschaft rundherum machen diese Stadt einzigartig. Die beste Reisezeit ist definitiv der Frühling, dann blüht alles und die Besucherzahlen halten sich in Grenzen. Ronda, ein guter Grund den kalten Monaten in Mitteleuropa zu entfliehen.

Du planst einen Reise nach Andalusien? Dann lass dir meine hilfreichen Tipps für diese schöne Region nicht entgehen! Klicke hier, um zum Beitrag über Andalusien zu gelangen.

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Romantischer Garten in der Neustadt

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