Montenegro - Verkehrschaos am Fjord

Das kleine, junge Land am Mittelmeer ist diesen Sommer das Ziel unserer Reise. Es ist August und wir packen nicht unsere Koffer, sondern das Wohnmobil.  Denn mit ein paar Zwischenstopps im schönen Kroatien fahren wir von Österreich nach Montenegro. Dort erwarten uns neben bewaldeten Bergen und bezaubernden Städten vor allem Hitze und die schlechtesten Autofahrer Europas. Wer meint, die Küste Montenegros sei noch ein Geheimtipp, der wird schnell eines Besseren belehrt: Die Strände sind genau so voll wie in Italien und in der Bucht von Kotor ankern riesige Kreuzfahrtschiffe. Außerdem hat sich auch in den Nachbarländern die Schönheit der montenegrinischen Buchten herum gesprochen. Ein abenteuerlicher Roadtrip über Straßen am Abgrund und Melonen am Wegesrand:

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Die Bucht von Kotor wird auch "Südlichster Fjord Europas" genannt

Bucht von Kotor:

Nach 2 Stunden Wartezeit an der Grenze (Montenegro ist nicht in der EU) schlängelt sich das Wohnmobil die Küstenstraße entlang. Achtung: Bei der Einreise muss die grüne Versicherungskarte vorgezeigt werden! Notfalls kann diese auch vor Ort gekauft werden, ist aber teurer und mit noch längerer Wartezeit verbunden.
Sowohl die Größe der Schlaglöcher als auch die Unverfrorenheit der einheimischen Autofahrer bringt uns ins Schwitzen. Überholt werden wir auch dann, wenn Gegenverkehr naht. Will man in den Süden des Landes, so bleibt einem nichts anderes übrig als im Schneckentempo die Küste entlang zu fahren. Mein weltmeisterlicher Chauffeur meisterte die engen Kurven direkt am Wasser perfekt und ich konnte die Aussicht auf die Bucht von Kotor genießen: Diese wird auch Südlichster Fjord Europas genannt. Zwischen hoch aufragenden Gipfeln liegen bezaubernde Orte wie Herceg Novi, Perast und Kotor.

Da die Berge hier fließend ins Mittelmeer übergehen, findet man nur wenige Strände, die zum Baden einladen. Es bleibt einfach kein Platz. Es entsteht der Eindruck, man befände sich an einem See und nicht am Meer. Die fehlenden Strände hindern die Menschen jedoch nicht daran, die Felsen direkt neben der Straße zum Sonnenbaden zu nutzen. Wer die Fahrt Richtung Süden verkürzen möchte, der kann die Fähre Kamenari-Lepetane nehmen. So spart man sich um den fairen Preis von 9 Euro (in Montenegro ist der Euro offizielle Währung!) eine Stunde.
Entlang der Bucht finden sich viele Möglichkeiten zum Wandern. Wer nicht in der Hitze schmelzen will, sollte sich bei Sonnenaufgang, gegen 6.00 Uhr, auf die Socken machen.

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Hohe Berge treffen hier direkt auf das Mittelmeer

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Hier kommt kein Vampir rein

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Die Altstadt von Kotor ist UNESCO-Weltkulturerbe

Kotor:

Die namensgebende Stadt an der Bucht von Kotor war mein Highlight auf dieser Reise: Als Architekturfanatikerin konnte ich mich nicht an den labyrinthischen Gassen, steinernen Kirchtürmen und verwinkelten Häusern satt sehen. Die Altstadt ist autofrei, doch vor den Stadtmauern gibt es einen großen Parkplatz direkt am Meer. Dort befindet sich ein kleiner Kieselstrand mit einer netten Strandbar.
Bekannt ist Kotor für die Vielzahl an Katzen, die auch beliebtes Motiv für alle möglichen Souvenirs sind: Katzentassen, Katzenpostkarten, Katzenmagnete. Und für mich machen die Samtpfoten die Stadt noch ein bisschen sympathischer.
In dem von meterdicken Mauern und einem Wassergraben umgebenen Kern findet man tolle Lokale und Restaurants. Am Abend erwacht Kotor so richtig zum Leben und die kleinen Gastgärten sind der perfekt Ort für stundenlanges Verweilen und Wein trinken. Während der Preis fürs Essen nur wenig günstiger ist als in Mitteleuropa, kann man bei den Getränken einiges sparen.

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Stadt der Katzen

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Labyrinthische Gassen in Kotor

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A Photographer's Paradise

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1300 Stufen führen zur Burgruine hinauf

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Ein Teil der Ruinen Sveti Ivan

Besonders empfehlenswert ist der Aufstieg zur Burgruine Sveti Ivan: Über 1300 Stufen bzw. Wanderpfade gelangt man in gut einer Stunde zu der ehemaligen Festungsanlage. Der Ausblick ist sensationell und die Atmosphäre längst vergangener Zeit, welche die Ruine ausstrahlt, magisch.

Es gibt zwei Wege, die nach oben führen, beide sind leicht zu finden und ähnlich zu begehen. Jedoch bezahlt man für den Aufstieg 8 Euro Eintritt. Mit leichten Turnschuhen ist man bestens unterwegs. Jedenfalls genug Wasser und Sonnenschutz mitbringen! Glücklicherweise wird der Weg gegen Ende relativ steil und ist deshalb nicht von Menschenmassen überrannt. Der Blick auf die umliegenden Berge ist gigantisch und zwischen den Jahrhunderte-alten Gemäuern herum zu kraxeln ein einmaliges Erlebnis.

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Am Wegesrand

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Oben angekommen

Ulcinj:

Kurz vor der albanischen Grenze liegt die Stadt, die vor allem für ihren 12 km langen Sandstrand bekannt ist. Dieser gilt als Kite-Hotspot des Landes und das ist auch nicht zu übersehen: Ein großer Abschnitt ist für verschiedene Kiteschulen reserviert. Leider ignorieren die meisten Badegäste die Kitezone. Das heißt: Acht geben beim Starten und Landen sowie auf dem Weg zum Wasser einen Hindernislauf durch Badetücher, Sonnenschirme und Sandspielzeug zurücklegen.

Obwohl sehr viel los war, verbrachten wir 4 entspannte Tage bei der netten Crew von Kiteriders Montenegro. Harry und sein Team bieten nicht nur Kitekurse auf Deutsch und Englisch an, sondern versorgen Besucher auch mit hilfreichen Tipps für Ulcinj.
Das Wasser ist im Sommer angenehm warm und man kann problemlos mit Boardshort und Lycra kiten gehen. Der thermische Wind kommt erst am Nachmittag (ab 14.00 Uhr) und weht dann mäßig bis am Abend. Die gebräuchlichsten Schirmgrößen waren 9-12 m².
Es gibt auch einen Stehbereich für Anfänger wie mich. Ein verdientes (und günstiges) Feierabendbier und kleine Snacks gibt’s in den vielen Strandbars, die sich hier aneinander reihen.

Der Vorteil am Strand in Ulcinj sind die vielen Campingplätze in allen Varianten, von günstig und einfach bis neu und teurer (unserer Empfehlung: MCM Camping). Der Nachteil ist der Verkehr: In der Hauptsaison ist hier die Hölle los! Außerdem sind die montenegrinischen Autofahrer die unverschämtesten, die ich bis jetzt kennen lernen durfte. Trotz Stau und Gegenverkehr wird überholt und gedrängelt was das Zeug hält. Abends verlängert sich durch diese chaotischen Verhältnisse eine Fahrt von 15 Minuten ins Stadtzentrum um bis zu 2 Stunden! So hat man wenigstens Zeit eine erfrischende Wassermelone einzukaufen, die in Obstständen am Straßenrand angeboten wird.

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Im August wird's hier schon mal eng

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Wir fanden ein schönes Plätzchen am MCM Campingplatz

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Am frühen Nachmittag kommt der Wind

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Altstadt Ulcinj

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Traumhafte Sonnenuntergänge am Strand

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Verdientes Feierabend-Bier

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Blick von der Stadtmauer in Ulcinj

Für einen Ausflug nach Ulcinj also genug Zeit einplanen. Wir nahmen das Fahrrad vom Strand ins Zentrum, was nicht weniger abenteurlich ist als mit dem Auto. Fahrradweg nicht vorhanden, wahnsinnige Autofahrer sehr wohl.
Die Altstadt beeindruckt durch ihren Festungscharakter. Vom knallvollen Strand geht man am Hafen entlang bis zu einer Treppe, welche auf die Mauer hinaufführt. Wie Schwalbennester kleben die Gebäude am Hang über dem Meer. Die Aussicht auf das klare, intensiv blaue Wasser ist magisch. Viele nette Lokale und Hotels verstecken sich in einem Labyrinth aus Gassen und Plätzen.

In Ulcinj muss man sich also entscheiden: Entweder man bleibt im Zentrum, mit einer großen Auswahl an Ausgehmöglichkeiten und einem überfüllten Mini-Strand. Oder man quartiert sich nahe dem weitläufigen Sandstrand ein, mit entspannter Atmosphäre und grandiosen Sonnenuntergängen.

Super leckeren Fisch gibt’s im Kod Miška in Ada Bojana wenige Kilometer südlich von Ulcinj. In dem maritimen Restaurant sitzt man direkt am Fluss, der hier ins Meer mündet.

Das Inland blieb uns aufgrund der Straßenzustände mit dem Wohnmobil verwert. Dort verbergen sich Highlights wie die Tara Schlucht oder der Durmitor Nationalpark. Steffi und Lui von comewithus2 waren dort, hier geht's zu ihrem Beitrag.
Inspiration für unsere Reise nach Montenegro habe ich mir übrigens bei Elisa von take an adVANture geholt, ihren tollen Beitrag findest du hier.

Ich muss also noch einmal zurückkehren nach Montenegro, dann aber definitiv mit dem Flugzeug!

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Blauer als blau

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London? Nein, Ulcinjs Ausgehmeile

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Ölsardinen unter Schirmen - Stadtstrand Ulcinj

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Showing 6 comments
  • Sebastian
    Antworten

    Hey Tamara,
    ein toller Beitrag über Montenegro, vielen Dank dafür! Umso spannender fand ich ihn zu lesen, da ich selbst dieses Jahr dort war. Dass man im Sommer offensichtlich Eintritt bezahlen muss, um auf die Ruine Sveti Ivan zu steigen, war mir völlig neu! Ich war im April, also in der Nebensaison dort und konnte absolut kostenfrei nach oben wandern. Insgesamt fand ich das Land wunderschön, vor allem landschaftlich und architektonisch.
    Dir weiterhin viele gute Reisen!
    Sebastian von Japsolut on Tour

    • Tamara
      Antworten

      Hey Sebastian! Bin grad verwundert, dass man in der Nebensaison keinen Eintritt zahlen muss! Da sieht man wieder, dass man nicht in der Hauptsaison verreisen sollte 😀 War für mich definitiv das letzte Mal, dass ich im August nach Südeuropa fahre. Aber abgesehen davon, eine total sehenswerte Landschaft; ich muss auf jeden Fall nochmal nach Montenegro um die Nationalparks zu sehen. LG, Tamara

  • Maike
    Antworten

    Ein toller Bericht. Montenegro hatte ich bisher so gar nicht auf dem Schirm, aber dein Bericht und vor allem deine wunderschönen Fotos machen richtig Lust das Land zu erkunden.

    • Tamara
      Antworten

      Danke Maike! Stimmt, Montenegro als Reiseziel ist im deutschsprachigen Raum noch nicht so bekannt. Dabei liegt es so nahe und ist mit dem Flugzeug schnell, mit dem Wohnmobil eher langsamer 🙂 , zu erreichen. Ohne den Verkehr während der Hauptsaison sicherlich auch mit dem Auto entspannt zu bereisen. LG

  • Christian von Ways2Travel
    Antworten

    Ein ganz toller Bericht und vor allem wunderschöne Fotos! Wir hatten es vor zwei Jahren nur für zwei Tage in den Nordteil geschafft, aber beim Lesen schon wieder richtig Lust bekommen, noch mal hin zu fahren. Echt super!

    • Tamara
      Antworten

      Danke Christian! Das Meer ist einfach traumhaft schön dort. Mein Ziel ist beim nächsten Mal das Landesinnere, vor allem die Taraschlucht, zu sehen. LG, Tamara

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